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2 comments

Schliessungspläne Holzwirtschaftszentrum Hamburg: Offener Protestbrief an Wissenschafts- und Umweltsenator

Hamburg, den 17. Feb. 2016

Bevor Hamburg ernsthaft die Fernwärmeerzeugung aus Biomasse nachhaltig ausbaut, wird schon mal ein dafür relevantes Kompetenzzentrum an der Universität Hamburg weggespart.

 

Sehr geehrte Frau Senatorin, sehr geehrter Herr Senator,

der Fachbereich Biologie der Universität Hamburg (MINT-Fakultät) hat beschlossen, das Zentrum Holzwirtschaft der Universität Hamburg und die dort angebotenen, bundes- und weltweit sehr renommierten Studiengänge zur Holzwirtschaft aufzulösen. Dadurch würde auch die bislang sehr positive und erfolgreiche universitäre Zusammenarbeit mit dem ThünenInstitut des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefährdet.

Holzwirtschaftsabsolventen haben aufgrund der interdisziplinären Ausbildung und dem generellen Mangel an vergleichbaren Studiengängen in Deutschland und Europa
hervorragende berufliche Chancen. In den Studiengängen wird u.a. technisches und
ökonomisches Wissen zur stofflichen und energetischen Verwertung von Biomasse eng verknüpft. Es ist damit zu rechnen, dass der Bedarf an Absolventen mit interdisziplinären Kenntnissen im Bereich der Biomasseverwertung im Zuge der Energiewende deutlich ansteigen wird. So geht die „Strategic Energy Technology Plan Roadmap on Education and Training (SET-Plan)“ der Europäischen Kommission von einem zusätzlichen Fachkräftebedarf von 5 Millionen bis 2020 aus, um die Visionen der “Energy 2050 Roadmap“ zur Transformation der Energiesysteme in Richtung nachhaltige Energien zu ermöglichen. Im SET-Plan wird zudem vorgeschlagen, Studiengänge wie „Biorefinery Engineer” und “Bioresource Value Chain Manager” zu entwickeln. Die Hamburger Holzwirtschaftsstudiengänge entsprechen diesen Themen. Da sie schon lange und erfolgreich etabliert sind, kommt Hamburg eine Vorreiterrolle zu.

Holz ist heute der wichtigste erneuerbare Energieträger zur Wärmeerzeugung, auch in Hamburg. Nach Angaben der Agentur für Erneuerbare Energien (2014)2, wurden 7,4 % des deutschen Wärmeverbrauchs 2012 durch Holzenergie und 0,7% durch in Müllverbrennungsanlagen verbrannte Abfallbiomasse, welche ebenfalls holzhaltig ist, gedeckt. Beide zusammen lieferten 79,6 % der erneuerbaren Wärme Deutschlands. In Hamburg werden holzige Reststoffe seit 2005 in der Altholzverbrennungsanlage Borsigstraße, seit 2008 im Biomasseheizkraftwerk Lohbrügge und darüber hinaus in den Müllverbrennungsanlagen energetisch genutzt. Der Weg zu einer nachhaltigen Fernwärmeerzeugung ist jedoch noch weit.

Auch die Hamburger Forschungsarbeiten zum Thema Holz sind für die Hamburger
Energiewende von großer Bedeutung. Ein Beispiel ist der Holzwirtschaftsbericht von Prof. Mantau, den die ENH studierte, als das norddeutsche Biomasse-Potential zur Erzeugung von Fernwärme ermittelt wurde. Neben energetischen Anwendungen kommt Holz auch eine herausragende stoffliche Nutzungsfunktion zu. So wurde im Koalitionsvertrag u.a. die Förderung des Holzbaus als ökologische und klimafreundliche Alternative zum Massivbau (Öko-/Lebenszyklusbilanz) verankert. Da Holz für vielfältigste Anwendungen, vom Baustoff, Papier, Werkstoff, Möbel, Chemierohstoff bis hin zum Energieträger nutzbar ist, sind nachhaltige Nutzungskonzepte von großer Bedeutung, um Übernutzungen zu vermeiden. Die Unterstützung bei Entwicklung und Implementierung von Nutzungskonzepten durch
Forschung und Bildung ist daher unerlässlich.

Holz und andere am Zentrum Holzwirtschaft untersuchte Biomassearten leisten einen wichtigen Beitrag zum Wandel der Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit und Bioökonomie. Die Komplexität des Systems zur Biomassenutzung verlangt nach Interdisziplinarität in Forschung und Bildung. Energetische und andere technologische Systeme werden zunehmend vernetzt und fordern komplexe strategische Planungen und ein gutes Verständnis der Kerntechnologien. Hierzu leistet das Zentrum Holzwirtschaft im Verbund mit dem ThünenInstitut einen entscheidenden Beitrag.

Die Abschaffung der Studiengänge zur Holzwirtschaft und damit die Auflösung des Hamburger Holz-Clusters würde die Wende zum nachhaltigen Wirtschaften deutlich verlangsamen. Wir appellieren daher an Sie, eine konstruktive Hamburger Lösung für den Erhalt und Ausbau von Studiengängen zu finden, die sich mit den wichtigen Themen der Nutzung von Biomasse befassen. Ohne die Hamburger Holzforschung, wäre der Forschungsstandort Hamburg beim Thema „nachhaltiges Wirtschaften“ sehr geschwächt.
Wir hoffen und plädieren für eine Lösung bei der Finanzierung auch unter Berücksichtigung externer Finanzierungsquellen, die es ermöglicht, daß Hamburg seine Kompetenzen im Bereich nachhaltiger Biomasse-Nutzung weiter ausbauen kann statt entscheidend schwächt.

Mit freundlichen Grüßen
Vorstand und Aufsichtsrat der
EnergieNetz Hamburg eG


2 Kommentare

  1. Wilfrid Grote

    Der Verlust der Studiengänge wäre ein Rückschlag für die Energiewende.

  2. Stefan Lübben

    Wenn die Stadt endlich wach wird und doch noch versuchen will, ihre zugesagten Klimaschutzverpflichtungen einzuhalten, dann sollte sie nicht die Möglichkeiten zur Forschung und Entwicklung auf dem Sektor der Energiegewinnung aus Biomasse stilllegen. Dann wird das nie was! Das ist einfach ein Sparen am falschen Ende!

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